Frauentag 2026

Frauenquote im Filmbüro

Wer ins Filmbüro kommt, hat es schnell mit Frauen zu tun. Seit 2017 leiten Ilona Rieke und Saskia Wegelein das Filmbüro in Doppelspitze. Aber das ist ja nur vordergründig. Der Weltfrauentag 2026 ist willkommener Anlass mal genauer zu berichten, wie es eigentlich beim Filmbüro mit der Frauenquote aussieht. Dazu ein paar Zahlen und Gedankenanstöße.

Das kann sich sehen lassen 47% der Anträge, 55% der Fördergelder

Die Frauenquote liegt bei der Filmförderung durch das Filmbüro Bremen bei durchschnittlich 47% der Anträge und 48% der geförderten Projekte. Wichtig ist aber auch der Anteil der Frauen an den Fördergeldern: die liegt sogar bei 55%.
Alle Daten für die Zeit von 2010-2025, falls nicht anders angegeben.

Frauenanteil bei allen Förderungen des Filmbüros 2010-2025

Frauen Alle
Frauen Alle

Im Filmbüro Bremen erhalten Frauen also rund 8% mehr Förderung, als ihrem Anteil an den Anträgen entspräche.

Schauen wir auf die einzelnen Fördermaßnahmen, bestätigt sich dieses Grundschema:

Microförderung

microfoerderung Logo
microfoerderung Logo

Mittelgeber ist der Senator für Kultur, Förderung bis zu 1.000€, Einreichung laufend, es entscheidet der Vorstand des Filmbüros in wechselnder Besetzung.

Frauen Micro
Frauen Micro

Projektstipendium Filmstart

filmstart grafik klein quadrat
filmstart grafik klein quadrat

Mittelgeber ist die nordmedia Filmförderung, Förderung bis 20.000€, Ausschreibung jährlich im Frühjahr, es entscheidet eine wechselnde Fachjury.

Frauen Filmstart
Frauen Filmstart

Bremer Dokumentafilm Förderpreis

DOk 2020 kreis klein
DOk 2020 kreis klein

Mittelgeber ist der Senator für Kultur und private Spender:innen, gefördert wird die Recherche einer Dokumentarfilm-Idee, die Ausschreibung erfolgt anonymisiert, ausgezeichnet werden mindestens zwei Projekte mit insgesamt 10.000€, Ausschreibung jährlich im Sommer, es entscheidet eine wechselnde Fachjury.

Frauen Dok
Frauen Dok

Videokunst Förderpreis Bremen

vkp logo text weiss schwarz
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Mittelgeber ist der Senator für Kultur und private Spender:innen, gefördert wird die Produktion einer Videokunst-Arbeit und deren Ausstellung im Folgejahr in einem Bremischen Museum/Galerie. Ausgezeichnet werden mindestens zwei Projekte mit insgesamt 10.000€, Ausschreibung in ungeraden Jahren, es entscheidet eine wechselnde Fachjury.

Frauen VKP
Frauen VKP

Videokunst Förderpreis: Anträge 46% – gef. Projekte 54% – Fördergelder 63%.
Dokumentarfilm Förderpreis: Anträge 57% – gef. Projekte 60% – Fördergelder 60%.
Filmstart Projektstipendium: Anträge 40% – gef. Projekte 51% – Fördergelder 54%.
Microförderung: Anträge 41% – gef. Projekte 43% – Fördergelder 46%.

Unsere Überlegungen zu den Gründen der guten Quote

Das Filmbüro hat seit seiner Gründung 1988 auf die Gleichberechtigung geachtet, den unabhängigen Jurys werden jedoch keine inhaltlichen Vorgaben gemacht.
Insofern lohnt sich der genauere Blick auf die Ursachen der relativ guten Quote.

Die höchste Frauenquote bei der Förderung: 63%

Die höchste Frauenquoten erreicht derzeit der Videokunst Förderpreis (VKP). Bei 46% der Anträge, ist der Frauenanteil bei den geförderten Projekten bei 54%, die sogar 63% der Preisgelder erhielten. Zwei Gedanken dazu, denn wir sind selber noch in der Auswertung:

Der VKP setzt besonders auf experimentelle Konzepte und ungewöhnliche Themen. Ist es Zufall, dass gerade hier Projekte von Frauen besonders gut ankommen?

Beim VKP kalkulieren die Antragsstellenden zwar ihre Produktionskosten, die Höhe des Preisgeldes wird aber von der Jury festgelegt. Nivellieren wir durch dieses Vorgehen die tendenziell niedrigeren Kalkulationen von Frauen?

Die höchste Frauenquote bei den Anträgen: 57%

Der Bremer Dokumentarfilm Förderpreis (DokPreis) überrascht dagegen mit 57% Frauenquote bereits bei den Anträgen.
Hier gibt es einen ganz klaren Zusammenhang:

Anonymisierte Einreichung beim Dokumentarfilm Förderpreis

Im Rahmen der bundesweiten Diskussion um die Förderung von Frauen führte das Filmbüro bei der Rechercheförderung 2020 die anonymisierte Einreichung ein. Der Anteil der Einreichungen erhöhte sich daraufhin um 10% und auch die Anzahl der geförderten Projekte korreliert jetzt besser mit dem Frauenanteil an den Anträgen.
2010-2016 (4 Runden) Anträge 52% – gef. Projekte 58% – Fördergelder 51%
2020-2025 (6 Runden) Anträge 62% – gef. Projekte 61% – Fördergelder 68%

Frauen Dok Anonym
Frauen Dok Anonym

Wirklich erstaunlich ist aber das Ergebnis bei den zugesprochenen Fördergeldern. Hier konnte durch die Anonymisierung der sonst in der Branche offensichtliche Gender-Gap in Kalkulationen und Fördergeldern nivelliert werden. Wenn die 61% geförderte Projekte von Frauen insgesamt 68% der Fördergelder erhalten, sind sie nicht länger diejenigen mit den kleingerechenten Kalkulationen und niedrigeren Fördergeldern.
Auch hier ist es übrigens am Ende die Fachjury, die die Höhe des Preisgeldes festlegt.

Alle Daten für die Zeit von 2010-2025, falls nicht anders angegeben

Und weiter?

Wir sind stolz auf diese gute Quote in der Filmförderungen und danken unseren Jurys für ihre professionelle und wertschätzende Arbeit – über die Jahre waren das mehr als 300 Personen, die gegen eine Aufwandsentschädigung jeweils zwei Tage über die Anträge beraten und wertvolle Rückmeldungen gegeben haben!
Hier sind sie zu finden, die Jurymitglieder vom Dokumentarfilm Förderpreis, vom Videokunst Förderpreis und von Filmstart, sowie der jeweils aktuelle Vorstand des Filmbüros.

Was den Anteil der Frauen an der Filmförderung verbessert, ist unserer Meinung nach auch geeignet die Teilhabe für andere unterrepräsentierte Gruppen zu verbessern. An diese Statistik werden wir uns als nächstes setzen. Jetzt aber noch ein Plädoyer:

Unabhängige Fachjurys stärken

Denn Förderentscheidungen durch unabhängige, wechselnde Fachjurys bedeutet

  • mehr Chancengleichheit für die Antragsteller:innen durch immer neue Personen in der Jury
  • vielfältige Perspektiven in der Jury-Entscheidungen und damit ein Mehr an überraschenden Filmprojekten
  • Stärkung von künstlerischen Handschriften durch die Bereitschaft zu künstlerischem Risiko
  • Demokratisierung der Förderentscheidungen durch die wechselnde Einbeziehung bisher benachteiligter Bevölkerungsgruppen

Antragslage diversifizieren

Dabei können wir alle helfen. Das Filmbüro arbeitet z.B. mit folgenden Maximen:

  • einladende Ausschreibung und geringe Formalitäten
  • Beratung von Antragsteller:innen
  • Zusammenstellung der Jurys: diversitätssensibel und divers nach Geschlecht, filmischem Genre, Gewerk, Erfahrung, künstlerischem Horizont, Bremen-Kenntnissen, Alter
  • wertschätzende Ablehnungen: individuelle inhaltliche Rückmeldung für nicht geförderte Filmschaffende.

Aufmerksamkeit schaffen

  • In Bremen sind wir zu diesen Themen im Austausch mit den anderen Verbänden der freien Künste, mit dem Senator für Kultur und einer Reihe weiterer Vereinigungen.
  • Überregional sind es unsere Kolleg:innen in den Filmbüros der anderen Bundesländer, mit denen wir uns in die filmpolitischen Diskussionen einmischen.
  • Wir haben ein Netz an Professionellen, die für Coachings von Quereinsteigenden bereit stehen.
  • Wir entwickeln unseren Verein ständig weiter. Das Filmbüro Bremen e.V. nimmt Filmschaffende und Filmfreund:innen als Mitglieder auf und lädt zur Mitgestaltung ein.
  • und ehrlich gesagt sind wir immer mehr auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns über den Austausch.
Zum Beispiel bei den Frauen Netzwerktreffen beim Filmfest Bremen im April 2026.

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