Christian "Krischan" Meyer
Videokunst
Mitglied im Filmbüro 1994 - 2009
Organisation des Videokunst Förderpreises Bremen 1996-1998
Biografisches
*1962
†2025
Filme
2000 AS IF
Kulturelle Filmförderung Bremen Produktion und Vertrieb
2001 TO TART
Kulturelle Filmförderung Bremen Produktion
Microförderung Vertrieb
2004
13.Videokunst Förderpreis mit Werner Kuhrmann
FOUR KNOCKS
2010 HOUSE von Ahmad Saleh
Mentor für die Vertriebsförderung
Beitrag zum Katalog 25 Jahre Videokunst Förderpreis Bremen
Zu Videokunst
Ich arbeite mit Video seit Ende der 80er Jahre.
Für mich war Video nicht nur künstlerisches Stilmittel, es schwang auch immer noch der Aspekt von Gegenöffentlichkeit mit. Und Video war neu, quasi wild west.
Es gab Taschenspieler, die meisten Kuratoren, Museumsleute, Galeristen hatten keinen Plan was Video ist, was da technisch passiert (als Kunststudent habe ich 3 Jahre lang den Bremer VKP organisiert und da aus kunsthistorischen Ecken allerlei hanebüchenes Zeug gehört… -> siehe Anm.). Beim Bremer Förderpreis für bildende Kunst (nicht der VKP) wurden öfter Videoarbeiten von Leuten ausgezeichnet, von denen man nie wieder gehört hat. Ein anderes Phänomen waren Künstler in der midclife crisis, oft Maler, die dann meinten Video machen zu müssen.
Vielleicht aus dem Grund war Video auch immer mal wieder böse, so ähnlich wie Photographie, wo sich die Deutschen ja heute noch schwer tun, dies als Kunst einzuordnen. Mitte der 90er war so eine Zeit als Video für tot erklärt werden sollte, die alten Kunstkritiker verstanden die documenta Welt nicht mehr. Zum Glück kam dann Douglas Gordon (der übrigens Ende der 80er Jahre als Student einige Monate in Bremen bei dem Windfall Projekt mitarbeitete, als in der Kulturbehörde noch jemand war, der was von Kunst verstand. Douglas hat damals noch nicht mit Video gearbeitet), den verstanden alle.
Anfang 2000, als das Ende des Videobandes absehbar wurde, eine neue Sinnkrise. Ein neuer Name muss her. Aber irgendwie hat sich im deutschen kein sprachliches Äquivalent für das schöne englische ‚time based media‘ gefunden. Und wenn man zurückgeht zu video, lateinisch ich sehe, denn ist das doch auch wurscht, dann ist in Video doch alles drin. So gesehen find ich Video immer noch spannend mit viel Platz für Humor. Z.B. bei den verschiedenen, zwangsläufig historistischen, Versuchen eine Geschichte der Videokunst zu schreiben. Wulf Herzogenrath hat da mal, als Gastvorleser in der Hfk Bremen, gesagt, dass die Videokunst 196x in Wuppertal erfunden wurde. Und er und Nam Jun Paik waren dabei.
(don’t get me wrong: der Herzogenrath ist ein netter hilfsbereiter Typ und einer der wenigen Museumsleute ohne Künstlerphobie)
Zur Videokunst Ausstellung 2005 in Bremen
Ich fand die Arbeit von Werner und mir wirklich gut, Eröffnung war auch ok.
Was ja leider oft eine Katastrophe ist, selbst bei Häuern wie der Weserburg, ist das Personal. „Gestern war ich in deiner Ausstellung. Hast Du nicht gesagt Dein Film hätte Ton?“ „Tolle Ausstellung, aber kein Video.“ Usw.
Ich Heute
Im Moment mache ich merkwürdiger Weise Musik, nehme Lieder auf und misch sie ab. Ich hab schon immer alles durch- und nebeneinander gemacht, aber Musik schon lange nicht mehr. Außerdem arbeite ich an einem Künstlerbuch, so eine Art Graphic Poetry (statt Graphic Novel).
Das bewegte Bild schläft.
Christian Meyer (www.meystermeyer.de)
Anm.: Anekdotenmässig wäre zu erwähnen, dass es 1994 anlässlich einer ausgestellten Arbeit, die mit Found Footage Material aus Pornofilmen arbeitete, zu einem Skandälchen kam. Der Weser Report, ein hiesiges Umsonst Anzeigen Käseblatt, prangerte an… Ich wurde zu einem Gespräch mit dem Intendanten von Radio Bremen, Karl-Heinz Klostermeier (einer der Preisstifter), zitiert und mir schwante Böses. Tatsächlich war auch alles sehr Ehrfurcht einflössend: riesiges Vorzimmer mit Sekretärin und ‚Bitte warten Sie noch einen Moment‘. Dann ein noch grösseres Büro mit dickem Teppich und ganz hinten hinterm Schreibtisch der gute Mann. Ein bischen Smalltalk und was ist denn da los und dann… erhöht er das Preisgeld! Haha, doller Typ.
Das Filmbüro trauert um Christian "Krischan" Meyer (1962-2025)
Christian Meyers Verbindung mit dem Filmbüro ist vielseitig.
Christian war 1994 noch als HfK-Student Mitglied im Filmbüro geworden. Kurz darauf übernahm er die Ausrichtung des Videokunst Förderpreises Bremen (1996 bis 1998). Mit seiner ersten Filmförderung drehte er 1999 den Kurzfilm AS IF, eine verrückte digitale Hommage an die Liebe und den analogen Film.
Der Film war ein Baustein des Bestandschutzes für das Filmbüro, als 2000 nach der Gründung der kulturwirtschaftlichen Filmförderung nordmedia das Fortbestehen des Filmbüros und seiner Kulturellen Filmförderung in Frage gestellt wurde. Der damals neue Geschäftsführer des Filmbüros Klaus W. Becker konnte aus den Erfolgen u.a. von Christian Meyers AS IF nicht nur das Fortbestehen, sondern sogar eine zeitweise Ausweitung der Kulturellen Filmförderung aus Mitteln der Wirtschaftsbehörde (BIA) erreichen. AS IF hat daher eine ideelle Sonderstellung unter unseren geförderten Filmen.
Mit einer weiteren Förderung drehte Christian 2003 TO-TART, eine weitere Animation, die noch weiter mit Elementen des Comuterspiels arbeitet.
2004 erhielt er mit Werner Kuhrmann den 13. Videokunst Förderpreis des Filmbüros und stellte FOUR KNOCKS im November/Dezember 2005 in der Weserburg Museum für moderne Kunst aus. (Bild oben ist aus FOUR KNOCKS)
Eine Folge Filmbüro.TV ist der Ausstellung und den Künstlergesprächen gewidmet.
Danach zog sich Christian immer weiter aus dem Filmbüro zurück, wurde aber 2010 noch einmal als Talentscout aktiv. Er brachte den HfK Studenten Ahmad Saleh mit seinem Animationsfilm HOUSE zum Filmbüro und damit in die Filmbranche. Ahmad wurde für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert und gewann mit seinem Folgefilm AYNY - MY SECOND EYE 2016 den Studenten-Oscar.
Als 2018 ein Katalog für den Videokunst Förderpreis entstand, beteiligte sich Krischan mit einem Text und Bild (S.90).
Christian Meyer hat im Filmbüro nachhaltige, deutlich positive Spuren hinterlassen.
Christian und mich persönlich verband, dass mein eigener Weg im Film (ZWANZIG MINUTEN MIT EINEM ENGEL entstand 2001) und im Filmbüro parallel zu AS IF begann und ich bin froh, Meystermeyer und seinen Humor kennengelernt zu haben.
Saskia Wegelein, 26.08.2025

