Mai 2022

Filmstart Bremen 08 die Stipendien 2022/23

Die Fachjury wählte sechs Projekte zur Förderung: zwei Frauen, zwei Männer, zwei Kollektive wurden von der diesjährigen Jury ausgewählt.

filmstart8 grafik klein
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Seit 2015 existiert das von der nordmedia und dem Filmbüro Bremen initiierte Bremer Projektstipendium Filmstart, das künstlerische Filme und Nachwuchsfilmprojekte mit einem Förderbedarf zwischen 1.000 und 10.000 Euro fördert. Ziel von Filmstart ist die Förderung sowohl des Nachwuchses und dessen Professionalisierung, als auch von filmkünstlerischen Projekten etablierterer Filmschaffender.

In diesem Jahre kamen 80% der Anträge aus Bremen, 46% von Frauen. Rund 33% der Anträge kamen von Personen mit direktem Migrationshintergrund oder behandeln internationale Themen. Es wurden 15 dokumentarische und 16 fiktionale Ideen eingereicht. Traditionell hoch sind in der kulturellen Filmförderung experimentelle Projekte, die sich neuer Darstellungsformen annehmen. Ungewöhnlich hoch war in diesem Jahr der Anteil an Animationen mit 8 Projekten.

Die Jury

Die Filmstart-Jury 2022: J.Brügger, L.Ruf, J.Scheck
Die Filmstart-Jury 2022: J.Brügger, L.Ruf, J.Scheck

Wie üblich lud das Filmbüro eine unabhängige Fachjury ein, um über die 46 eingereichten Projekte zu entscheiden. Dieses Jahr waren das:
Jürgen Brügger, Dokumentarfilmer, Köln
Lotte Ruf, Produzentin Berlin/Düsseldorf/Münsterland
Julia Scheck, Leiterin des Unabhängigen FilmFest Osnabrück.
Sie entschieden nach rein künstlerischen und filmfachlichen Gesichtspunkten.

Zwei Tage lang befasste sich die Jury mit den Anträgen und diskutierte jeden einzelnen. Die so zusammengetragene fachliche und formelle Einschätzung ihres Antrages können sich die Filmschaffenden im Filmbüro erläutern lassen und für ihre nächsten Anträge nutzen. So trägt jede Jury zur Professionalisierung der Bremer Filmszene bei.

Aus der Vielfalt der 46 Projekte wählte die Jury zwei Animationen, zwei dokumentarische Stoffe, einen Serienpiloten und einen Spoken-Word-Film aus:
Was passiert eigentlich, wenn der digitale Fotospeicher der Welt voll ist? Warum verscheuchen wir Fliegen, lieben aber Marienkäfer? Was hat eine Bohrmaschine über europäische Migration zu erzählen? Was verbindet die Elefanten von Bremen, Wuppertal und Taipeh? Warum wird das Ferienparadies mit aller Kraft geheim gehalten? Und wie fühlen sich junge Frauen in den ihnen zugewiesenen Töpfen?

Die Stipendiat:innen haben nun bis Mai 2023 Zeit die Projekte zu realisieren. Sie werden dabei vom Filmbüro Bremen begleitet und ggf. mit Einzelcoachings durch Bremer Filmschaffende unterstützt.
Wir können gespannt sein auf folgende sechs

geförderte Projekte:

Fotorevolte

Animationsfilm von Jule Körperich, Bremen
10.000 € Produktionsförderung

„Fotorevolte“ erzählt, wie der digitale Speicherplatz der Welt überläuft und alle (Digital-)Fotografien und Filme zum Leben erwachen und die Menschen aus ihrer Realität und Zeit verdrängen. Als sich auch noch das Internet manifestiert, verschwimmt die Welt zu einem einzigen Pixelbrei. Kaum jemand wird das überleben. Zum Schluss fliehen die wenigen Überlebenden aus den Städten – weg von menschlichem Leben und digitaler Speicherung.

Jurybegründung: Pixel, Pixel, Pixel. Was passiert, wenn weltweit alle Speicher für digitale Bilder voll sind? Das wüsste die Jury auch gerne. Und wie sieht das dann eigentlich aus? Wir freuen uns auf eine formal vielversprechende Auseinandersetzung und versprechen uns mit einer Juristin als Filmemacherin einen ganz neuen Blick auf Found Footage.

Jule Körperich. Foto: Karin Demuth
Jule Körperich. Foto: Karin Demuth

Jule Körperich studierte Rechtswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Freie Kunst an der Hochschule für Künste Bremen. Sie arbeitet als Trickfilmerin und Anwältin im Bereich Urheber- und Medienrecht in Bremen.

Ich will nicht laut sein müssen

Lyrischer Spoken Word Film von Bildsprachrohr: Eva Matz, Jonas Schmieta, Elena Ortega, Bremen
10.000 € Produktionsförderung

Die Protagonist:innen bekommen von Geburt an eine Rolle zugeschrieben. Die Rolle des Mädchens, der Frau, in die sie hineinwachsen sollen. Eine Rolle, die ihnen ganz genau vorschreibt, wie sie zu sein haben, was sie zu sagen haben und was nicht, wie sie auszusehen und sich zu benehmen haben. Sie werden objektiviert, von außen definiert und immer wieder werden ihre Grenzen auf psychischer, wie physischer Ebene überschritten. Sie fühlen sich gezwungen, sich mit Feminismus auseinanderzusetzen und dafür zu kämpfen, weil die Zustände so, wie sie sind, nicht bleiben können.

Jurybegründung: Das Bildsprachrohr macht seinem Namen alle Ehre: Die Kombination aus lyrischem Spoken Word und visuellem Konzept, Szenenbild und Drehbuch greifen perfekt in einer kämpferischen Form ineinander.
Empowerment und Humor – geht das zusammen? Die Jury denkt ja.

Bild- und Sprachrohr
Bild- und Sprachrohr

Unter der Überschrift Bild- und Sprachrohr entstehen Kurzfilme, die der Poesie des 21. Jahrhundert eine neue Bühne geben. Das Kollektiv setzt sich zusammen aus Kameramann Jonas Schmieta, Kostüm- und Szenenbildnerin Elena Ortega und Autorin und Spoken Word Künstlerin Eva Matz. Alle drei leben und arbeiten freiberuflich in Bremen.

bor mašina

Experimenteller Dokumentarfilm von Patrick Peljhan, Bremen
5.000 € Produktionsförderung

Eine alte Bohrmaschine jugoslawischen Fabrikats wird zum Ausgangspunkt einer Geschichte über Migration und Arbeitskraft: Nach der Trennung von meinem Opa kommt meine Oma Anfang der 70er Jahre als Gastarbeiterin nach Deutschland. Mitte der 80er Jahre holt sie meinen Vater nach. Mit im Gepäck hat er eine Bohrmaschine, die knapp 40 Jahre später in meinen Händen landet. Beim ersten Betätigen fliegen die Sicherungen raus. Ich schraube die Maschine auf und schaue in die Vergangenheit...

Jurybegründung: Arbeit, Sprache, Erinnerung. Humorvoll und sehr persönlich setzt sich der Filmemacher Patrick Peljhan mit seiner Familiengeschichte auseinander; anhand einer alten Bohrmaschine jugoslawischen Fabrikats – die dringend repariert werden müsste.

Patrick Peljhan. Foto: Elizaveta Kovalenko
Patrick Peljhan. Foto: Elizaveta Kovalenko

Patrick Peljhan ist Künstler, Filme- und Radiomacher. Er lebt und arbeitet in Bremen. In seinen Arbeiten erzählt er Geschichten über mediale, kulturelle und technologische Phänomene der Migration. Dafür arbeitet er vorwiegend mit privatem und öffentlichem Archivmaterial und führt Interviews mit Zeitzeuginnen und -zeugen.

Die Stadt

Science Fiction Pilotfilm vom Straßentaubenkollektiv: Linus Wirth, Canan Vensky, Bremen
5.000 € Produktionsförderung

Der idyllische Ferienort Cuxhaven ist eine riesige Baustelle. Was hier genau gebaut wird, weiß niemand so richtig. Die Dienstleisterin Frau Jansen erhält einen Auftrag, der sie in das beschauliche Städtchen führt. Während sie im höchsten Büro der Stadt Computer installiert, beginnen sich die Ungereimtheiten zu häufen. Warum soll die Stadt von einem großen Stacheldrahtzaun umgeben werden und was haben die neuartigen Computer damit zu tun?

Jurybegründung: Zu zeigen, was in der Welt steckt, das ist der Anspruch des Straßentaubenkollektivs, der sich jetzt messen lassen muss an einem Science-Fiction-Thriller in Cuxhaven. Wir sind gespannt und unterstützen den ersten Schritt in das professionelle Filmemachen, ganz im Sinne von FilmStart!

Straßentauben
Straßentauben

Linus Wirth & Canan Venzky sind Mitglieder des 2019 gegründeten „Strassentauben Kollektivs“. Zusammen erarbeitet das Kollektiv Filme, Theater und Musik. Dabei entstanden unter anderem der Kurzfilm „The Rise and Fall of Richie Myles“ (2021) und das Theaterstück „Momo“ (2020).

Time Flies

Animation von Esther Hafner, Bremen/New York
2.000 Förderung der Projektentwicklung

TIME FLIES erzählt die Geschichte von einer Gruppe von Fliegen, die auf der Flucht vor Menschen sind und nach einem neuen zu Hause suchen. Die Fliegen finden schließlich Zuflucht in einem alten, verlassenen Haus. Hier lassen sich die Fliegen nieder und errichten eine wunderschöne Stadt namens FLIESTOWN. Die Welt der Fliegen bricht erneut ein, als Menschen nach FLIESTOWN eindringen, mit dem Ziel, die Fliegen ein für allemal zu vernichten. Zwei Fliegen versuchen, als Marienkäfer getarnt, in FLIESTOWN zu überleben.

Jurybegründung: Warum töten wir Fliegen ohne darüber nachzudenken, Marienkäfer aber nicht? „Time Flies“ solidarisiert sich mit den Schwächsten der Schwachen, und das auf spielerische und überraschende Art. Ein dramatischer Trickfilm mit ambitioniertem Blick, auch auf unsere Geschichte.

Esther Hafner
Esther Hafner

Esther Hafner studiert Regie und Drehbuch am Hunter College in New York. In ihren Geschichten stehen vor allem Außenseiter im Vordergrund.

Elephant in the Room

Essayfilm von CHEN Chengwen, Bremen
2.000 € Förderung der Projektentwicklung

„Elephant in the room“ – eine Redewendung, die auf ein unausgesprochenes, doch für alle sichtbares Problem verweist. Der Elephant ist dabei zugleich ein koloniales Symbol. Mit der Recherchearbeit und Projektentwicklung für einen gleichnamigen Essayfilm möchte ich tief in die in eigenartiger Weise vernetzten Biographien von drei Elefanten in Bremen, Wuppertal und Taipeh blicken und diese zu einer Klang-Bild-Metapher kolonialer Erfahrungen transformieren.

Jurybegründung: Die vernetzten Biografien dreier Elefanten zeigen die bis heute präsenten Symbole des Kolonialismus in Deutschland und Taiwan. Auf seiner Spurensuche richtet der Filmemacher CHEN Chengwen den Blick auch auf uns selbst zurück. Mit einer Projektentwicklungsförderung unterstützt die Jury den Autor beim Spuren suchen und Spuren legen.

CHEN Chengwen. Foto: James Chan-A-Sue
CHEN Chengwen. Foto: James Chan-A-Sue

CHEN Chengwen (陳政文), geboren in Taiwan, lebt und arbeitet als freischaffender Komponist und Künstler in Bremen. Seine Arbeiten schaffen oft einen interdisziplinären Dialog zwischen Hören, Sehen und Denken. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Auseinandersetzung mit transkulturellen Erfahrungen und Fluidität. In Zusammenarbeit mit Tobias Klich entstanden mehrere Musikfilm-Produktionen. Seit 2018 als Mitglied von tritonus e.V. Mitorganisator der Bremer Konzertreihe HörenSehen.

filmstart8 grafik klein
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logos filmstart
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Ausschreibung 2022 Die wichtigsten Richtlinien

Bevorzugt werden
• künstlerische oder schwierigere Filmprojekte, die nicht primär auf Verwertbarkeit orientiert sind, sowie solche, die der Professionalisierung dienen,
• kleinere, bislang noch nicht unterstützte Vorhaben,
• die freie Filmszene des Landes Bremen sowie der lokale Filmnachwuchs,
• Projekte, die innerhalb von 12 Monaten abgeschlossen werden können.

Im Zentrum steht der Bereich Produktion; auch Projektentwicklung, Vertrieb und Abspiel können unterstützt werden.

Das Filmbüro Bremen ist für die Umsetzung des Programms zuständig, die Gelder werden von nordmedia zur Verfügung gestellt.

Die unabhängige Fachjury tagt im Mai 2022 und wird Stipendiengelder in Höhe von rund 33.000 Euro vergeben.

Ausschreibung als pdf

Antragstellung bis 15.März 2022

Jeder Antrag soll in einer PDF zusammengefasst folgende Elemente enthalten:

1) Antragsformular: Formular als pdf

2) Projektskizze (gesamt < 15.000 Zeichen) bestehend aus: Kurzsynopsis, Projektbeschreibung, Persönliches Statement, detaillierter Kosten- und Finanzierungsplan,

3) bei Spielfilmvorhaben ein Drehbuch ,

4) Umsetzungs- und Zeitplan,

5) Bio-/Filmografie, sowie

6) falls vorhanden Links zu einer visuellen Arbeitsprobe (ca. 10 Minuten)

Wir empfehlen eine Antragsberatung im Filmbüro!

Filmbüro Bremen - Saskia Wegelein
Mail: (Email-Adresse)
Telefon: 0421-7084891

Filmstart ist ein Projektstipendium von nordmedia und Filmbüro Bremen: Vereinbarung Filmstart ab 2021 als PDF.

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