Mai 2021

Filmstart Bremen 07 die Stipendiaten 2021/22

Die diesjährige Fachjury förderte sechs Projekte in der Produktion mit insgesamt 34.000 Euro.

Filmstart 7 Flyer
Filmstart 7 Flyer
Jury Filmstart 2021: F.Vollmers, J.Spriestersbach, F.Lodders
Jury Filmstart 2021: F.Vollmers, J.Spriestersbach, F.Lodders

Die vom Filmbüro Bremen zusammengestellte Fachjury bestand aus
Frauke Lodders (Filmemacherin, Kassel. Für ihren Spielfilm MORPHEUS wurde sie 2014 mit der Microförderung des Filmbüros unterstützt und realisiert seitdem ihre Filme mit Bremer Team),
Jonas Spriestersbach (Kameramann und Regisseur, Berlin/München. Er gewann mit seinem Dokumentarfilm TIERE 2019 den Innovationspreis beim Filmfest Bremen) und
Florian Vollmers (Festivalmacher und Filmjournalist, Bremen).
Sie entschieden nach rein künstlerischen und filmfachlichen Gesichtspunkten. Ziel von Filmstart ist die Förderung sowohl des Nachwuchses und der Professionalisierung als auch von filmkünstlerischen Projekten etablierterer Filmschaffender.

Zwei Tage lang befasste sich die Jury mit den 44 Anträgen und diskutierte jeden einzelnen. Im Gespräch mit dem Filmbüro können Antragssteller:innen die so zusammengetragenen konkret fachlichen aber auch formellen Einschätzungen erfragen und für ihre nächsten Projekte oder Anträge nutzen. So trägt jede Jury zur Professionalisierung der Bremer Filmszene bei.

Insgesamt 44 Anträge waren 2021 für Filmstart 7 beim Filmbüro eingegangen.
Ein gutes Drittel der Anträge wurde von Frauen vorgelegt, ein Drittel von Personen mit direktem Migrationshintergrund. Unter den sechs geförderten Projekten sind jeweils zwei diesen Gruppen zuzuordnen.

Unerwartet hoch war der Anteil an fiktionalen Stoffen. Mit 20 Einreichungen hat sich die Zahl zum letzten Jahr verdoppelt. Unter den geförderten Projekten sind so erstmals seit 2016 mehr fiktionale als dokumentarische Filme.

Die Jury legte in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf die Förderung von Antragsteller:innen, die eine klare filmische Vision vorlegten und an einer eigenen Filmsprache arbeiten.

Die Ausrichtung des Förderprogrammes Filmstart auf Nachwuchs und Filmkunst zeigt sich deutlich in den Juryentscheidungen. Und auch die Diversität der Anträge spiegelt sich wider: eine experimentelle Annäherung an den Kinoraum, eine filmische Reise in das Haus und die Gefühle der eigenen Kindheit, ein deutsch-iranischer Kurzspielfilm, ein Kammerspiel um Familienbeziehungen, das Portrait einer jungen Geflüchteten und ein Videokunstprojekt über die Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers.

Wir können gespannt sein auf folgende sechs Projekte:

Nazanin Kurzfilm von Mohsen Azizi Ashtarkan, Bremen

Drama, ca. 10 Min
9.500€ Produktionsförderung

Nazanin ist 30 Jahre alt, sie kommt aus dem Iran. Ihr einziger Traum ist es, frei zu sein. Um ihrem despotischen Vater zu entkommen, heiratet sie Mahyar, einen in Deutschland aufgewachsenen Muslim. Doch schon am Flughafen erkennt sie ihren Fehler – Mahyar zeigt sich noch konservativer als ihr Vater. Sie ist gezwungen, sich ihrem Mann anzupassen. Bis sie sich eines Tages selber nicht mehr erkennt.

Jurybegründung: Mohsen Azizi Ashtarkan schildert in seinem Projektantrag und Drehbuch „Nazanin“ die eindrückliche Geschichte einer Frau aus dem Iran, die in Deutschland ihre Befreiung erhofft, aber das Gegenteil erlebt. Ihr Weg in eine Falle ist demenstprechend als Rückwärtserzählung angelegt. Die Jury möchte den Filmemacher bei seiner ersten Filmarbeit in Deutschland ausdrücklich beim Aufbau eines Netzwerkes in der Filmbranche unterstützen und gibt mit der Filmstart-Förderung den Startschuss für ein aussichtsreiches Projekt, das in Bremen und mit beratender Begleitung durch das Filmbüro Bremen entstehen soll.

Mohsen Azizi Ashtarkan, geboren 1983 im Iran, studierte Theaterwissenschaft und dreht seit 2013 Filme. Seit 2015 lebt er in Bremen. 2017 erhielt er vom Filmbüro bereits eine Förderung für den Kurzfilm Humans Die Standing. 2019 konnte er mit Förderung des Filmbüros den Dokumentarfilm The Girls of Enghelab Street realisieren.

Mohsen Azizi Ashtarkan
Mohsen Azizi Ashtarkan

Seitenverhältnisse Experimentalfilm von Fritz Laszlo Weber, Bremen

Experimentalfilm, ca. 15 Min
7.000€ Produktionsförderung

Ein Seitenverhältnis beschreibt in welcher Beziehung sich Breite und Höhe einer Fläche zueinander befinden. Auf der Kinoleinwand definiert es die Fläche, auf der sich das Geschehen abspielt. Dieses experimentelle Filmprojekt will das Seitenverhältnis als Ausgangspunkt nehmen und den Kinoraum über die Leinwand hinaus, in seiner Gesamtheit als einen Raum von gesellschaftlichen Verhältnissen beleuchten.

Jurybegründung: Fritz Laszlo Weber entwirft mit seinem Projektantrag „Seitenverhältnisse“ einen vielversprechenden Experimentalfilm, der gestaltende Elemente des Filmmediums, den physischen Kinoraum und gesellschaftliche Zusammenhänge miteinander ins Verhältnis setzt. Ein stilbewusstes und schlüssiges visuelles Konzept trifft auf einen gut entwickelten Produktionsplan, so dass die Jury diesem rundum überzeugenden künstlerischen Entwurf zur Umsetzung verhelfen möchte.

Fritz Laszlo Weber
Fritz Laszlo Weber

Fritz Laszlo Weber hat an der Kunsthochschule Kassel und der Hochschule für Künste Bremen studiert. Er arbeitet heute interdisziplinär mit eigenen und kollektiven Projekten in künstlerischen und filmischen Kontexten.
Vor seinem Studium sah er häufig Filme, die aus Kinos abgefilmt waren und von denen man sich an den richtigen Stellen im Internet eines Kopie besorgen konnte. Nach seinem Studium war er von 2017 bis 2019 in der Auswahlkommission Kurzfilm des Kasseler Dokfest tätig.

Jetzt ist es nur noch seltsam Spielfilm von Fabian Schubert-Heil, Hamburg

Spielfilm, ca. 60 Min
6.000€ Produktionsförderung

Ein Mann kehrt nach dem Tod seiner Eltern in das Haus seiner Kindheit zurück und findet dort stundenlange alte Videoaufnahmen aus seinen ersten Lebensjahren. Er beginnt damit, sich rückwärts bis zu seiner Geburt vorzuarbeiten. Im Betrachten spürt er, wie fremd ihm diese Kindheit ist. Um dieses verlorene Gefühl wieder zu entdecken, fängt er an, aufgezeichnete Erlebnisse seines Lebens nachzustellen.

Jurybegründung: In unaufgeregter Schlichtheit stellt Fabian Schubert-Heil Fragen nach Herkunft, die nicht wie in gängigen Diskursen auf Ethnizität und soziale Zugehörigkeit abzielen, sondern auf die eigene Kindheit, als vertraute und doch oft verklärte, schwer zugängliche, unwiederbringliche Ausgangsszene unseres erwachsenen Lebens. Sowohl der Antrag, als auch die Arbeitsproben haben uns überzeugt durch formalästhetisches und rhetorisches Geschick und eine simple aber prägnante Fragestellung. Wir stocken die bescheidene Antragssumme auf, mit der dringenden Empfehlung, die konkrete Umsetzung weiter auszuarbeiten und zu präzisieren.

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Fabian Schubert-Heil (*1992 in Bremen) studiert zunächst an der Universität Wien Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet anschließend als Regieassistent am Theater. Seit 2018 studiert er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg im Studienschwerpunkt Film und arbeitet nun an seinem ersten Langfilm sowie an literarischer Prosa.

Fabian Schubert-Heil
Fabian Schubert-Heil

All Matter breaks down under the right Pressure Experimentalfilm von Alex Beriault, Bremen

Experimentalfilm, ca. 10 Min
5.000€ Produktionsförderung

In this piece, one views a living subject through the dual lens of a scientific human specimen and an uncanny, almost supernatural figure. Different variants of her appearance present themselves as incomplete forms, and throughout the film these collections of smaller sections simultaneously piece her together and break her apart.

Jurybegründung: Ein Mensch, ein Körper unter dem forschenden Blick der Medizin. Ist man mehr als die Summe der Einzelteile? In der routinierten Untersuchung einzelner Punkte kreist ein/e Mediziner/in um eine/n Patient/in, eine merkwürdige Form der Intimität, in der die körperliche Präsenz zwischen mystischem Wesen und erstarrter Skulptur changiert. Der bewusst ergebnisoffenen Arbeitsweise der sich in Bremen etablierenden Filmkünstlerin Alex Beriault geben wir unser Vertrauen, auch, da uns die vorangegangenen Arbeiten sehr überzeugt haben.

Alex Beriault ist eine visuelle Künstlerin, geboren in Toronto, Kanada. Im Jahr 2014 machte sie ihren Abschluss an der OCAD University im Studiengang Skulptur/Installation und hat seitdem einen starken Fokus auf Performance-zentrierte Projekte entwickelt, die in Kanada, den Vereinigten Staaten und in Europa ausgestellt wurden. Kürzlich hat Alex ihren Meisterschüler bei Rosa Barba an der Hochschule für Künste in Bremen abgeschlossen.

Alex Beriault
Alex Beriault

Midnight Escape. Fateme Dokumentarfilm von Jacqueline Peters und Anastasia Misbach, Bremen

Dokumentarfilm, ca. 30 Min
4.000€ Produktionsförderung

„As a writer I want to write about everything with details and everything that exactly happened and I have seen. It‘s hurting me a lot.“ Ein filmisches Portrait über Fateme, eine 19-jährige Afghanin, die ihre gesamte Jugend auf der Flucht ist und von einem Flüchtlingslager zum nächsten gebracht wird.

Jurybegründung: Die beiden Nachwuchsfilmemacherinnen Jacqueline Peters und Anastasia Misbach geben in ihrer Dokumentation „Midnight Escape – Fateme“ ihrer Protagonistin Raum, ihre von Flucht geprägte Geschichte zu erzählen. Dafür zeichnen sie die Protagonistin facettenreich und nicht als Opfer ihrer Umstände. Auf der visuellen Ebene arbeiten sie unter anderem mit einem Comiczeichner zusammen. Wir möchten die Filmemacherinnen bei der Suche nach ihrer eigenen Handschrift in diesem Prozess unterstützen.

A.Misbach und J.Peters
A.Misbach und J.Peters

Jacqueline Peters, aufgewachsen zwischen Bremen und Bremerhaven, machte an der Leuphana Universität ihren Bachelor in Kulturwissenschaften und Digitale Medien. Dann zog es sie wieder zurück und sie fing an der Universität Bremen Transnationale Literaturwissenschaften zu studieren. Dort hat sie sich auf den Bereich Film fokussiert und pendelt seitdem zwischen Thessaloniki und Bremen hin und her.

Anastasia Misbach ist gebürtige Hamburgerin und wuchs bilingual zwischen Griechenland und Deutschland auf. Derzeit absolviert sie den Studiengang Journalismus & Medien an der Aristotle Universität in Thessaloniki. Im Rahmen ihrer freiwilligen Tätigkeiten im griechischen Camp für geflüchtete Menschen in Diavata, entwickelte sie ihren Pathos für die filmische Portraitierung des weiblichen Daseins innerhalb der griechischen Lager, welches sie gemeinsam mit Jacqueline Peters verwirklicht. Neben dem, berichtet sie journalistisch für griechische Medien über Geschehnisse, die geflohene Menschen betreffen.

Ein unvergessliches Essen Spielfilm von Leonardo Re, Berlin/Bremen

Tragikomödie, ca. 50 Min.
2.500€ Postproduktionsförderung

Maike ist jetzt Mike. Aber die Enthüllung einiger brisanter Wahrheiten macht ein gemeinsames Abendessen mit Familie und Freunden nicht gerade zum idealen Abend für ein Coming-Out.

Jurybegründung: Leonardo Re hat bei seinem Filmprojekt „Ein unvergessliches Essen“ viel Eigeninitiative bewiesen und ist in große Vorleistung gegangen. Im Rohschnitt seines mittellangen Kammerspiels haben uns die Schauspieler*innen und die damit verbundene Leistung der Regie im Bereich der Schauspielführung überzeugt, so dass wir die Fertigstellung des Projektes mit einer Förderung unterstützen möchten.

Leonardo Re ist ehemaliger Bremer und derzeit in Berlin als Herstellungsleiter im Dokumentarfilmbereich tätig. Seine eigenen Filme, die er als Regisseur realisiert,
sind fiktiver Natur, häufig im komödiantischen Bereich anzusiedeln und entstehen immer mit dem Einsatz von gezielten Improvisationen, durch die er lebensnahe Situationen entstehen lässt.
Als Mitgründer und zweiter Vorstandsvorsitzender des Bremer Vereins Freie Agentur e.V. setzt er sich zudem für die Sichtbarkeit und das Image Bremer Schauspieler:innen ein.

Leonardo Re
Leonardo Re
filmbuero 2020 orange 300px
filmbuero 2020 orange 300px

Information und Kontakt:
Saskia Wegelein-Golovkov oder Ilona Rieke
Mail: (Email-Adresse)
Telefon: 0421-7084891

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